Microgreens: Powerpflänzchen mit Geschmack

Barbara Schmid mit Sprossen


Am Slow Food Market Bern (www.slowfoodmarketbern.ch) vom 10. Bis 12. März können Besucherinnen und Besucher die Microgreens von essblatt degustieren. Unternehmensgründerin Barbara Schmid erklärt im Interview, wie sie die kleinen Pflanzen anbaut und wieso sie besonders sind.

Wie und wann kam es zur Gründung von essblatt?

Ich habe essblatt im März 2016 gegründet. Der Gründung gingen rund eineinhalb Jahre mit Abklärungen über den Anbau von biologischen Microgreens mit Bio Suisse sowie das Studium von Anbaumethoden voraus. Ich stand sogar mit Gemüsegärtnerinnen und -gärtnern in den USA und Kanada im Austausch.


Wieso haben Sie sich für den Anbau von Microgreens entschieden?

Während meiner Lehre zur Gemüsegärtnerin wurde ich auf der Suche nach neuen Nischen im Gemüsebau auf Microgreens aufmerksam. Fortan hat mich das Microgreen-Fieber gepackt. Es folgten unzählige Anbauversuche und Nachforschungen. Nach meinem Lehrabschluss im Jahr 2015 stand für mich fest: Ich möchte qualitativ hochwertige, biologische Microgreens und Getreidegräser für Gastronomiebetriebe und Feinschmecker anbauen.


Was sind Microgreens?

Microgreens sind Jungpflanzen aus schnellwachsenden Gemüsesamen, die im Keimblattstadium oder nach den ersten zwei Laubblättern geschnitten werden. Das bekannteste Microgreen ist Kresse. Im Unterschied zu Sprossen werden Microgreens am Licht kultiviert und auf einer biologischen Unterlage statt im Wasser angezogen.


Was ist aus nährwerttechnischer Sicht das Besondere an Microgreens?

Alles, was eine Pflanze für ihre ersten Wachstumsvorgänge braucht, ist schon im Samenkorn angelegt. Die Konzentration dieser gesunden Inhaltsstoffe ist bei Microgreens deshalb bis zu vier Mal höher als bei der ausgewachsenen Pflanze. Microgreens sind also richtige Powerpflänzchen!


Wieso ist es sinnvoll, Microgreens nach Knospe-Standard anzubauen?

In der Schweiz werden sie bisher konventionell auf einem künstlichen Substrat angebaut und unter künstlichem Licht kultiviert. Bei essblatt säen wir die Microgreens auf biologischer Erde aus, setzen sie natürlichem Licht aus und giessen sie mit Leitungswasser. Wir bieten den Konsumentinnen und Konsumenten ein durch und durch gesundes und ökologisch nachhaltiges Produkt an.


Wer sind Ihre Abnehmer?

Hauptabnehmer sind Restaurants, die gerne mit frischen, regionalen Produkten kochen und ihren Kreationen geschmacklich oder dekorativ eine besondere Note verleihen möchten. Wir sind auch an Wochenmärkten und beliefern private Kundinnen und Kunden.


Wie verwenden Sie Microgreens in Ihrer eigenen Küche?

Mein absoluter Favorit sind die Sonnenblumen-Greens. Sie sind besonders knackig, haben einen unglaublich nussigen Geschmack und lassen sich vielseitig in Salaten, Wraps oder Sandwiches einsetzen.


Wieso lohnt sich ein Besuch an ihrem Stand am Slow Food Market Bern?

Wir präsentieren diverse Microgreens zur Einzel- oder Mischdegustation. Nebst Rezeptideen und Literatur zu Microgreens stellen auch verschiedene Getreidegräser vor, die vor Ort entsaftet und probiert werden können. Schliesslich präsentieren wir den neusten Wurf von essblatt – die Weizengrasschorle!


Wo sehen Sie den Biolandbau im Jahr 2035?

2035 bauen in der Schweiz erstmals über 50 Prozent aller Landwirtinnen und Gemüsegärtner unter Knospe-Standard an. Die biologische Saatgutzüchtung bringt hochwertiges und resistentes Saatgut auf den Markt. Gleichzeitig verlieren multinationale Unternehmen, die auf konventionelles Saatgut, Mineraldünger und chemische Pflanzenschutzmittel setzen, einen Grossteil Ihrer Kunden und werden so zu einem Umdenken gezwungen.

Mehr Information auf www.essblatt.ch

Photograph: Tom Hänsel

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