Daniel Bärtschi, Geschäftsführer Bio Suisse zum Geschäftsgang

Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden sich für Bio. Damit übernehmen sie Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Parallel dazu steigt die Zahl der Knospe-Betriebe. Daniel Bärtschi, Geschäftsführer von Bio Suisse, erklärt im Gespräch, wie sich der Biolandbau und der Biomarkt in der Schweiz 2016 entwickelt haben und wie er die Zukunftsaussichten einschätzt.


Wie hat sich der Biolandbau im letzten Jahr entwickelt?

Der Biolandbau schreibt seine Erfolgsgeschichte weiter. Auf Anfang dieses Jahres haben 386 Betriebe auf Bio umgestellt, so viele seit den 90er Jahren nicht mehr. Das freut uns sehr und bringt uns unserer Vision «Bioland Schweiz» Schritt für Schritt näher.



Wie erklären Sie sich diesen Boom?

Ich sehe zwei Gründe, die zusammenhängen. Die Nachfrage steigt, denn Bio entspricht einem Konsumentenbedürfnis. Dadurch sehen immer mehr landwirtschaftliche Betriebe ihre Zukunft mit der Knospe. Sie eröffnet ihnen wirtschaftliche Perspektiven und verleiht dem eigenen Wirken einen zusätzlichen Sinn. Ein Knospe-Bauer räumt beispielsweise nicht mit der Chemiekeule auf, sondern ist beobachtend und vorbeugend tätig. Was mich besonders freut, ist die geografische Verteilung: Wir haben in allen Kantonen Höfe, die auf Bio umstellen, wobei Bern, Luzern und die Westschweiz besonders stark vertreten sind.


Sehen Sie eine Grenze nach oben beim Schweizer Biolandbau?

Ich habe es oben erwähnt: Die Vision von Bio Suisse ist ein «Bioland Schweiz». Das ist sicher auch eine Frage des politischen Willens. Rein agronomisch sind 100 Prozent realistisch.


Sie haben die steigende Nachfrage erwähnt. Wie hat sich das 2016 im Biomarkt ausgewirkt? 

Wiederum sehr erfreulich. Das Marktwachstum lag bei 7,8% und der Umsatz liegt erstmals bei über 2,5 Milliarden Franken. Der Bioanteil am gesamten Lebensmittelmarkt macht einen Sprung auf 8,4 %. Gut die Hälfte aller Konsumenten kauft täglich bis mehrmals wöchentlich Bio. Wir können also davon ausgehen, dass jede und jeder Zweite beim Einkauf ein Bioprodukt in den Korb legt. Das ist ein starkes Bekenntnis zur Schweizer Biobranche!

Geschäftsführer Daniel Bärtschi und Bio Suisse Präsident Urs Brändli besuchen einen Knospe-Hof

Wer sind denn die Wachstumstreiber?

Wachstumstreiber waren auch 2016 die Grossverteiler. Coop ist klarer Marktführer mit einem Marktanteil von 44,6 Prozent, gefolgt von Migros, dem Biofachhandel sowie der Direktvermarktung.


Welche Bioprodukte legt sich der Konsument denn am meisten in seinen Einkaufskorb?

Die Frischprodukte bleiben das wichtigste Segment mit einem Anteil am Biogesamtwarenkorb von zwei Dritteln. Die Convenience-Produkte gewinnen weiter an Bedeutung und haben erneut überdurchschnittlich zugelegt. Diese beiden Entwicklungen widerspiegeln die gesellschaftlichen Trends. Und Bio kann diese erfüllen – zum einen frisches, schmackhaftes Obst und Gemüse, zum anderen konsumgerechte Esswaren für eine einfache, arbeitssparende Vor- bzw. Zubereitung. Hier reagiert der Biomarkt auf die Bedürfnisse der Konsumenten und erweitert das Sortiment laufend.


Regionalität und Nähe ist ein grosser Trend bei den Konsumenten. Wie stark können die Direktvermarkter davon profitieren?

Der Trend zur Regionalität gekoppelt mit Bio zeigt, dass immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrem Einkauf Verantwortung für die Umwelt übernehmen. Zudem vertrauen Sie dem was aus der Nähe kommt und was sie persönlich kennen. Davon profitieren die Direktvermarkter unter den Knospe-Produzenten. Sie gehören zum Herzstück von Bio Suisse und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Bezug und Austausch zwischen Produzent und Konsument kann hier voll zum Tragen kommen und ist für den Vertrauensaufbau ganz allgemein sehr wichtig. Wir schätzen, dass der Anteil der Direktvermarkter am gesamten Biomarkt bei etwa fünf Prozent liegt – Tendenz klar steigend.


Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wird der Biotrend anhalten?

Davon bin ich überzeigt. Wir wissen von den Grossverteilern, dass sie längerfristig im Biobereich wachsen wollen. Coop beispielsweise will den Umsatz mit Bio bis 2025 auf 2 Milliarden Franken verdoppeln. Wir von Bio Suisse sind also gefordert, dass es genügend Schweizer Biorohstoffe gibt. Eine unserer wichtigsten Aufgaben neben der Sicherstellung der hohen Qualität der Knospe-Produkte ist es, für unsere Bauern Markttransparenz zu schaffen. Zu kommunizieren, wovon es am Schweizer Biomarkt zu viel hat, wo es knapp wird oder wo Potenzial besteht. Die Betriebe sollen immer wissen, woran sie sind. Nur so können wir für sie einen fairen Preis sicherstellen.

Weiteres erfahren Sie auf unserem online Jahresbericht unter: https://jahresbericht.biosuisse.ch


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