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Biowinzer Bruno Martin: «Piwi-Sorten sind ein bedeutender Fortschritt»

Biowinzer Bruno Martin an der Arbeit
Bruno Martin ist seit 26 Jahren Biowinzer am Bielersee. Er erzählt, was sich mit der Biobewirtschaftung im Boden und im Weinberg positiv verändert hat, und warum er eine Cuvée aus Seyval Blanc und Johanniter einem guten Chardonnay vorzieht.


Welchen Wein trinken Sie als Winzer am liebsten?

Beim Rotwein liebe ich Regent, beim Weisswein ist der Seyval Blanc einer meiner Favoriten. Das sind beides Piwi-Sorten, also Züchtungen, die widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten sind.


Gegenüber Piwi-Sorten sind manche Konsumenten skeptisch. Warum trinken Sie gerade diese Weine am liebsten?

Sie sind geschmacklich interessant. Wenn man einen Seyval Blanc und einen Johanniter in einer Assemblage oder Cuvée ausbaut, dann sind sie einem Chardonnay ganz sicher ebenbürtig. Natürlich liebe ich die Piwi-Sorten auch, weil ich emotional über den Anbau und die Pflege mit ihnen verbunden bin.


Wie gross ist der Anteil an Piwi-Sorten auf Ihrem Betrieb?

Auf mehr als der Hälfte der Fläche wachsen Piwi-Sorten. In den letzten zwei Jahren haben wir 4500 Stöcke gesetzt. Piwi-Sorten sind ein bedeutender Fortschritt. Dank ihnen braucht es weniger Pflanzenschutzmittel, was der Umwelt und den Menschen zugutekommt.


Was ist das Besondere an Ihrem Betrieb?

Ich bewirtschafte ihn seit 26 Jahren biologisch und habe ihn schon vorher sehr naturnah gepflegt. Schon zehn Jahre vor der Umstellung auf Bio haben wir auf Dauerbegrünung gewechselt.



Was hat sich seither verändert im Rebberg? 

Ein Rebberg braucht acht bis zwölf Jahre, bis er effektiv auf Bio umgestellt hat.


Das müssen Sie erklären…

Nun ja, mit Kunstdünger ernähren Sie die Rebe in der oberen Bodenschicht direkt. Verzichten Sie darauf, müssen Bodenlebewesen und Pflanze zuerst den Wurzelhorizont erweitern und aufbauen. Bis die Pflanze auf der Suche nach Nährstoffen tiefer wurzelt und sich dort organisches Material und Bodenlebewesen angesiedelt haben, vergehen mehrere Jahre. Erst dann ist die Umstellung abgeschlossen und die Reben werden konstant mit Nährstoffen versorgt.


Was ist das Besondere am Knospe-Wein? 

Gemäss den Richtlinien von Bio Suisse bewirtschafte ich den ganzen Betrieb biologisch und habe sieben Prozent der Fläche zur Förderung der Biodiversität bereitgestellt. Um das zu erreichen, habe ich im Weinberg zum Beispiel Bäume gepflanzt.


Und wie hat sich das ausgewirkt?

Dank diesen Strukturen, fühlen sich Kleinlebewesen wie etwa der Wendehals auf unserem Betrieb wohl. Dieser Vogel lässt sich nur zur Brut nieder, wenn er von Baum zu Baum oder Hecke nicht mehr als 50 Meter Distanz überwinden muss.

Biowinzer Bruno Martin: «Piwi-Sorten sind ein bedeutender Fortschritt»

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