Knospe-Bauer Niklaus Hari: «Eine Mikro-Biogasanlage leistet viel fürs Klima»



Vor mehr als 30 Jahren baute Niklaus Hari seine erste Mikro-Biogasanlage. Damit erzeugt der Knospe-Bauer Strom und Wärme und verhindert das Entweichen von Methangas in die Atmosphäre. Schöner Nebeneffekt: Die vergorene Gülle stinkt weniger.


Herr Hari, im Mai hat das Stimmvolk die Energiestrategie 2050 deutlich angenommen. Was war Ihre Reaktion?

Ich habe mich sehr gefreut! Bei uns am Haus hing lange ein Plakat: «Energiestrategie JA». Im Tal mit etwa einem Drittel dafür und zwei Drittel dagegen bin ich schon ein Exot. Aber die Entscheidung ist unglaublich wichtig, nicht nur für die Energie, sondern auch fürs Klima.


Sie gehen den Weg der erneuerbaren Energien schon länger: Wie kam es dazu, dass Sie eine Biogasanlage gebaut haben?

Klimabewusst lebe ich aus Überzeugung. Ein Kollege brachte mich 1986 auf die Idee und wir bauten gemeinsam die erste Biogasanlage auf meinem Hof, mit der ich das Wohnhaus beheizen konnte. Die erste «richtige» Anlage haben wir beim Neubau des Stalls 1993 angelegt, die neuste stammt von 2014.


Wie reagierte Ihr Umfeld auf den Bau?

Viele wollten mir das Projekt ausreden. Das kleine Format funktioniere nicht. Mit 20 Rindern kann ich die Anlage problemlos alleine betreiben, ihre Leistung beträgt 16 Kilowatt. Bei den grossen Biogasanlagen wird Mist kreuz und quer durch die Schweiz transportiert – das ist unnötig. Mit eigener Anlage und hofeigenem Mist schliesst man den Nährstoffkreislauf und profitiert von Wärme und Strom.


Mit welchem Material betreiben Sie die Biogasanlage?

Zum Mist kommen lediglich ein paar Rüstabfälle aus dem Haushalt und Kaffeesatz als Abfallprodukt einer Instant-Kaffee-Fabrik hinzu.


Wo sehen Sie das Potenzial für andere landwirtschaftliche Betriebe, in den Bau einer Biogasanlage zu investieren?

Die Genossenschaft Ökostrom Schweiz hat ausgerechnet: Heute werden nur fünf Prozent des gesamten Schweizer Hofdüngers vergoren. Theoretisch wäre es möglich, das Kernkraftwerk Gösgen auszuschalten, wenn man allen Hofdünger vergären und zu Strom umwandeln würde. Die Anlagen verhindern das Entweichen des Treibhausgases Methan.


Wie hängt die Sorge ums Klima mit der Bio-Landwirtschaft zusammen?

Sehr stark! Im weltweiten Vergleich ist die Bio-Landwirtschaft klima- und bodenschonender als die konventionelle.






Wo sehen Sie die Verantwortung der Konsumenten?

Die Konsumenten haben eine unglaubliche Macht, sie nehmen sie einfach noch zu wenig wahr. Wenn sie beispielsweise aussersaisonale Früchte nicht kaufen, bringt sie der Händler auch nicht mehr in den Laden und die Produktion geht zurück. Bei der Aufklärung sehe ich enormes Potential – viele wissen nicht mehr, was «saisonal» wirklich bedeutet.


Mehr dazu auf: http://www.quh-energie.ch/

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