Reto Müller, Winzer aus Leytron VS und Vorsitzender der Fachgruppe Wein bei Bio Suisse

Seit diesem Jahr arbeitet Bio Valais mit Vitival, dem Walliser Verband für integrierte Produktion, zusammen, um den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden im Walliser Weinbau so stark wie möglich zu verringern. Dafür wurde die Bio-Orientierungs-Plattform für den Walliser Weinbau geschaffen. Reto Müller, Winzer aus Leytron VS und Vorsitzender der Fachgruppe Wein bei Bio Suisse, erklärt im Gespräch die wichtigsten Hintergründe zur Zusammenarbeit.


Herr Müller, mit acht von 32 Winzerinnen und Winzern, die 2017 auf Bio umstellen, verzeichnet das Wallis gesamtschweizerisch die meisten Weinbau-Umsteller. Im Wallis liegt auch die grösste Anbaufläche für Bio-Wein: 131 Hektaren, was in etwa 183 Fussballfeldern entspricht. Wie erklären Sie sich diesen Zuwachs?

Ein Drittel der Schweizer Weinbaufläche liegt im Kanton Wallis, allein deswegen haben wir viele Umsteller. Das Klima ist ideal für den Bio-Weinbau. Dazu kommt der generelle Bio-Trend, den vermehrt die jüngere Generation aufgreift.



Im Wallis werden viele autochthone Sorten wie Petite Arvine oder Cornalin angebaut. Wie steht es um pilzwiderständige Rebsorten (Piwi-Sorten)?

Im Wallis probieren bereits mehrere Weingüter den Anbau von Piwi-Sorten aus. Dabei beobachten wir, dass die aktuellen Züchtungen für das Wallis nicht optimal sind: In unserem trockenen Klima mit viel Sonne sind sie meistens frühreif. Der Zuckergehalt ist verglichen mit der Reife der Tanine und Aromen zu hoch. Die Zukunft der Piwi-Sorten im Wallis ist also auch eine Integrationsfrage. Wir sind auf einem guten Weg, es braucht wohl noch ein bisschen Zeit.


Sie arbeiten seit diesem Jahr mit Vitival, dem Walliser Verband für integrierte Produktion, zusammen. Wie kam es dazu?

Ich bin Vorsitzender der Fachgruppe Wein bei Bio Suisse und bei Bio Valais verantwortlich für Bio-Rebbau und Bio-Weinproduktion. Deswegen kenne ich sehr viele Winzerinnen und Winzer. Ich habe gespürt, dass es viele konventionelle Winzerinnen und Winzer bei Vitival gibt, die nicht nur ein Top-Produkt herstellen wollen. Sie wollen einen gesünderen, besseren Wein und eine naturnahe Produktion. Ich ging auf sie zu und habe gesagt: «Im Grunde genommen haben wir dieselbe Idee. Wir wollen mit der Natur arbeiten und sie respektieren. Man kann auch ohne Label vermehrt Methoden des Bio-Rebbaus nutzen».


Was ist das Hauptziel der Zusammenarbeit?

Ziel unserer Zusammenarbeit ist vor allem die Wissensvermittlung, das Austauschen von Beobachtungen und die gegenseitige Motivation. Eine wichtige erste Anlaufstelle ist die Bio-Orientierungs-Plattform «Orientation Bio». Das lokale Wissen liegt bei den Bäuerinnen und Bauern, was fehlt sind oft Kenntnisse des Bio-Rebbaus. Wir haben den Kanton Wallis in sechs Bereiche unterteilt. Die Winzerinnen und Winzer eines Bereichs bilden je eine Gruppe. Sie treffen sich regelmässig und tauschen sich über Themen wie Bodenbearbeitung, Spritzmittel oder aktuelle Fragestellungen auf dem eigenen Betrieb aus. Im ersten Jahr haben sich bereits 66 Winzerinnen und Winzer angemeldet, das sind rund zehn Prozent der professionellen Winzerinnen und Winzer – das freut mich sehr!


Was versprechen Sie sich davon?

Es geht um die Gesundheit der Menschen, der Erde und um die Reduktion von Rückständen in unseren Gewässern. Meine Vision ist, dass die Gefahr der Abdrift von chemisch-synthetischen Pestiziden zwischen Siders und Lausanne eliminiert wird. Bio ist die Anbaumethode der Zukunft, egal, ob sich ein Produzent zertifizieren lässt oder nicht.


Was ist Ihre Zukunftsprognose für den Walliser Bio-Weinbau?

Seit bekannt wurde, wie viele Rückstände von chemisch-synthetischen Pestiziden in unseren Gewässern zu finden sind, ist die Politik stärker in die Bio-Thematik eingestiegen. Der Kanton merkt, er muss etwas für das Image und die Natur tun und motiviert mit Direktzahlungsbeiträgen für eine Pestizidreduktion. Auch die grossen Weinhändler sind ins Bio-Geschäft eingestiegen. Ich schätze die Zukunft für Walliser Bio-Wein als vielversprechend ein.


Was ist Ihr Wunsch an Konsumentinnen und Konsumenten?

Ich wünsche mir, dass sie bewusst und lokal konsumieren und das zwar etwas teurere, dafür nachhaltig produzierte Produkt unterstützen. Denn man ist, was man isst – oder eben was man trinkt!



Bilder: Sedrik Nemeth

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