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Drei Tonnen Rindfleisch oder: Einmal nach Athen und zurück für fünf Personen


Guido und Regula Wigger bewirtschaften in Obernau/Kriens LU seit 1995 einen Knospe-Betrieb. Aktuell hegen und pflegen sie mit viel Einsatz 34 Bio-Weiderinder und gehen sehr verantwortungsvoll mit Ressourcen wie Treibstoff und Wasser um. Guido Wigger erklärt, wieso es wichtig ist beim Fleisch auf Bio und Schweizer Herkunft zu achten. Zudem verrät er, wie ihm Rindfleisch am besten schmeckt.


Herr Wigger, was bedeutet es, wenn Fleisch aus Bio-Weidehaltung stammt?

In der Bio-Weidehaltung verbringen die Rinder viel Zeit im Freien und die Fütterung ist graslandbasiert. Das heisst, unsere Tiere fressen Weidegras, Heu und Grassilage. Ohne die Nahrungsressourcen der Menschen zu konkurrieren entsteht mit dieser Haltungsform ein qualitativ hochwertiges Fleisch.



Ist Bio-Weide-Rindfleisch ökologischer als anderes Fleisch?

Auf Grasflächen, die nicht ackerfähig sind, kann mit Wiederkäuern ein hochwertiges Lebensmittel für Menschen erzeugt, gleichzeitig die Humusbildung angeregt und der natürliche Kreislauf geschlossen werden. Ich füttere meinen Rindern kein Kraftfutter. Für dessen Anbau und Transport müssten viele Ressourcen aufgewendet werden. Ausserdem kann man mit Weidehaltung den Treibstoffeinsatz geringer halten.

Wie sparsam ist Ihr Betrieb im Bereich fossiler Treibstoffe?

Der sparsame Umgang mit Energie ist mir ein grosses Anliegen. Ich habe berechnet, wie viele fossile Treibstoffe unser Betrieb gesamthaft verbraucht. Es ist im Vergleich mit anderen gleichartigen Betrieben sehr wenig. Eine Flugreise von fünf Personen nach Athen verbraucht gleich viel Treibstoff, wie wir das ganze Jahr für die komplette Bewirtschaftung unseres Betriebes, für die Produktion von über drei Tonnen Bio-Weide-Rindfleisch verbrauchen. Oder ein anderer Vergleich: Wir verbrauchen für die Produktion von 280g Bio-Weide-Rindfleisch so viel Treibstoff, wie wenn man mit einem Auto mittleren Verbrauchs einen Kilometer weit fährt.

Wie viel Wasser verbrauchen ihre Rinder?

In internationalen Studien liest man, dass für die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch 15'000 Liter Wasser benötigt werden. Diese hohe Zahl entsteht unter anderem unter Miteinberechnung der Bewässerung von Ackerkulturen in trockenen Regionen der Welt, die als Futtermittel für Fleischrinder angebaut werden. Mich interessierte vor allem, wie viel Trinkwasser ich für die Wassertränken der Tiere und fürs Rauswaschen des Stalls brauche. Dies sind pro Kilogramm Fleisch ungefähr 110 Liter Trinkwasser – also weit weniger als wenn man Kraftfutter importiert und verwendet. Das Wasser, welches als Regen in die Vegetation fällt, habe ich bewusst nicht meinen Tieren belastet, weil Regen in unserem Land (noch) nicht Mangelware ist.


Warum ist es wichtig, Schweizer Bio-Fleisch zu wählen?

Der Konsument hat den grössten Einfluss auf die Produktionsweise. Jeder Kauf ist nämlich die erneute Bestellung für morgen. Wird Schweizer Bio-Fleisch gekauft, wird es auch wieder produziert. Wer Bio kauft und dafür einen angemessenen Preis bezahlt, ermöglicht uns Biobauern eine Existenz, damit wir weiterhin tiergerecht, nachhaltig und umweltfreundlich gesunde Nahrungsmittel produzieren können.
Dies bedingt jedoch, dass nicht nur Verarbeitung und Handel von den Mehrerträgen profitieren.

Sie vermarkten auch Fleisch direkt. Wie begründen Sie den Preis?

Unsere Kundinnen und Kunden schätzen, dass unsere Tiere ohne Kraftfutter heranwachsen, viel im Freien sind und sie wissen, wo das Fleisch herkommt. Durch das natürliche Wachstum der Tiere und den artgerechten Verzehr von Gras entstehen der feine Geschmack und die Qualität des Fleisches. Und das wird natürlich stark mitbewertet. Unsere Kundschaft schätzt zudem das preiswerte Angebot in Mischpaketen und die Einsicht in Hof und Stall. Darum müssen wir unseren Kunden den Preis nicht begründen.

Wie essen Sie am liebsten Rindfleisch?

Ich mag alle Stücke vom Rind, doch mein Lieblingsmenu ist Siedfleisch, natürlich von unseren Bio-Weide-Rindern. Besonders gern habe ich dazu leicht geräucherte Zunge mit Bohnen. Dazu kocht meine Frau Kartoffeln und eine spezielle Sauce mit geraffeltem Apfel. Die Kombination aller Zutaten schmeckt mir sehr.

Was ist ihr Geheimtipp für das Grillieren von Rindfleisch?

Fleisch vom Holzfeuer schmeckt anders als Fleisch vom Gasgrill. Ich bevorzuge diesen holzigen Geschmack. Wichtig ist, dass man Wert auf die Qualität und Herkunft des Fleisches legt. Gutes Fleisch braucht eigentlich keine Marinade. Bio-Weide-Rindfleisch hat einen so herzhaften Eigengeschmack, dass wir es höchstens nach dem Grillieren mit wenig Kräutersalz würzen.

Mehr dazu auf : www.wigger-obernau.ch

Photos: Hansjürg Jäger

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