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Karin Nowack von Bio Suisse: «Eine artgerechte Tierhaltung und Fütterung hat ihren Preis»



Immer mehr Leute interessieren sich für einen nachhaltigeren Fleischkonsum und stellen sich dabei Fragen wie: Was ist das wertvolle an Bio-Fleisch? Was fressen Bio-Tiere und wie werden Sie medizinisch versorgt? Wofür steht das Knospe-Label? Karin Nowack, Fachmitarbeiterin Nachhaltigkeit bei Bio Suisse, beantwortet die häufigsten Fragen zu Bio-Fleisch.



Karin Nowack, die Schweiz ist klimatisch ideal geeignet für graslandbasierte Tierhaltung. Wie beeinflusst dies die Fütterung von Bio-Wiederkäuern?

Wiederkäuer, also Kühe, Ziegen und Schafe, fressen von Natur aus Gras und Heu, das der Mensch notabene nicht verdauen kann. Deshalb ist die Haltung von Wiederkäuern im Grasland Schweiz ökologisch sinnvoll. Bei der Knospe machen Gras, Heu, Kräuter und Maisstängel – das sogenannte Raufutter – auch den Grossteil bei der Fütterung aus. Es sind maximal zehn Prozent Kraftfutter wie Getreide, Soja und Mais erlaubt. Im April 2018 haben die Bio Suisse Bäuerinnen und Bauern beschlossen, dass dieser Anteil bis 2022 auf fünf Prozent gesenkt werden und sämtliches Kraftfutter für Wiederkäuer bis dann aus der Schweiz kommen soll.


Welches Futter fressen Knospe-Schweine und Knospe-Hühner?


Schweine und Hühner sind Allesfresser und erhalten als Futter hauptsächlich Getreide, Mais und Soja. Sie brauchen eine hohe Menge an Proteinen, um ausreichend ernährt zu sein und um artgerecht leben zu können. Sie können diese Proteine auch nicht wie die Wiederkäuer aus Gras gewinnen. Ergänzend fressen sie Raufutter, Samen oder Molkereiabfälle. Das Futter wird in der Schweiz oder im Ausland nach den strengen Richtlinien der Bio Suisse angebaut. Zudem ist es – wie jedes Knospe-Futter – frei von Gentechnik und synthetischen Zusätzen wie Enzymen oder Wachstumsförderern.


Wie ist der Preisunterschied von Bio- und konventionellem Fleisch begründet? 

Eine artgerechte Tierhaltung und Fütterung hat ihren Preis: der Platzbedarf ist grösser, das Knospe-Futter ist teurer und die Mastzeit bei langsam wachsenden, aber robusten Rassen meistens länger. Zudem ist Auslauf- und Weidehaltung häufig arbeitsintensiver als reine Stallhaltung. Die medizinische Betreuung ist aufwändiger, da bei Knospe-Betriebe vorbeugende Antibiotika-Gaben verboten sind. Stattdessen setzen sie auf naturheilkundliche Methoden.

Wie häufig wird die Tierhaltung auf Bio-Betrieben kontrolliert? Wären nicht mehr unangemeldete Kontrollen nötig?

Eine Bio-Kontrolle muss umfassend sein, sprich alle Betriebsaktivitäten erfassen. Dies ist mit einer angekündigten Kontrolle wesentlich fundierter und besser möglich. Die angekündigte Kontrolle erlaubt eine Übersicht über das ganze Jahr, da auch Bilanzen erstellt und die Buchhaltung angeschaut werden. Die unangekündigte Kontrolle ist nur eine Momentaufnahme und damit wesentlich weniger aussagekräftig. Angemeldete Kontrollen sind durch die grössere Kontrolltiefe wesentlich effektiver. Bei den angemeldeten Kontrollen werden auf etwa einem Fünftel der Betriebe (meist geringfügige) Abweichungen festgestellt, bei unangemeldeten Kontrollen nur bei etwa sieben Prozent. Rein auf die Tierhaltung bezogen sind unangemeldete Kontrollen durchaus sinnvoll – und solche werden im Auftrag von Bio Suisse auch durchgeführt


Kann Bio die Welt ernähren? 


Ja, Bio kann die Welt ernähren, wie dies eine jüngst veröffentliche Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL, Frick) zeigt: Der Bio-Landbau hat im Durchschnitt zwar etwa zwanzig Prozent weniger Ertrag, er sichert aber die lokal angepasste, ressourcenschonende und damit nachhaltige Ernährung. Für die Ernährungssicherheit braucht es aber weitere Massnahmen: Durch Verminderung der Lebensmittelverluste und weniger Verzehr von tierischen Produkten kann der geringere Ertrag des Bio-Landbaus wettgemacht werden. Denn die Erzeugung von tierischen Produkten benötigt pro erzeugte Kalorie mehr Ressourcen als die gleiche Menge pflanzliche Kalorien.


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