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Daniel Mahler, Knospe-Landwirt: «Das Interesse an der Bruderhahn-Aufzucht wächst»

Auf dem 36 Hektaren grossen Bio-Betrieb Eichberg im aargauischen Seengen am Hallwilersee hält die Familie Mahler Legehennen und Bruderhähne, baut verschiedene Ackerkulturen an und kümmert sich um eine Herde Angus-Mutterkühe mit Kälbern und Aufzuchtrindern. Auf dem Eichberg gibt es zudem ein Hotel mit Gastronomiebetrieb und Bio-Gärtnerei. Betriebsleiter Daniel Mahler erklärt im folgenden Interview, wie er das Wohl seiner Legehennen fördert und wieso er Bruderhähne aufzieht.


Herr Mahler, wie kam es zur langen Bio-Tradition des Gutsbetriebs Eichberg?

Mein Grossvater war sehr weitsichtig und kaufte den Gutsbetrieb Eichberg im Jahr 1959. Er sah darin trotz der schwach ausgebildeten Humusschicht Potenzial, insbesondere wegen der geografischen Lage. Er war überzeugt, dass man mit der Bio-Bewirtschaftung Böden aktivieren kann und – er war erfolgreich. Ich wuchs in die Bio-Bewirtschaftung hinein und kenne nichts anderes. Für mich ist dies die Bewirtschaftungsform, die für Mensch, Tier und Natur am nachhaltigsten ist.


Wie hat sich der Hof im Laufe der Zeit verändert?

Bis unsere Generation den Betrieb im Jahr 2006 im Rahmen der Nachfolgeregelung erwarb, war der Gutsbetrieb Eichberg ein Milchviehbetrieb. Als Kind hatte ich viel Freude an den 200 Legehennen meiner Grossmutter. Ich entschied mich, die Milchproduktion einzustellen und die Legehennen-Haltung auszubauen: Heute verfügen wir über zwei Ställe, einen mit 2000 und einen mit 1500 Legehennen. Zusätzlich haben wir einen Aufzuchtstall, in dem die eigenen Junghennen und Bruderhähne grossgezogen werden.


Wie fördern Sie das Wohl Ihrer Legehennen?

Wir bauten 2006 einen neuen Stall, der 2000 Hennen Platz bietet. Der ganze Stall ist aus Holz. Das Dach ist mit einer Art Papierfetzen isoliert. Es ist zudem begrünt und wirkt wie eine natürliche Klimaanlage: Wenn es regnet, bleibt Wasser zurück und verdampft bei Hitze; ohne elektrische Ventilatoren entsteht so eine natürliche Querlüftung. Im Sommer ist der Stall stets etwa fünf Grad kühler als die Aussentemperatur. Hennen meiden die starke Sonne tagsüber. Deswegen lassen wir die Auslauftüren bis zum Eindunkeln offen, denn in der Abendzeit leben sich die Hennen gern auf der Weide aus. Das bedeutet für mich einen letzten Rundgang um zehn Uhr, aber diese Lebensqualität gönne ich den Tieren von Herzen.


Was motiviert Sie zur Bruderhahn-Aufzucht?

Wir begannen vor sieben Jahren mit ersten Pilotprojekten für die Bruderhahn-Aufzucht. Unseren Kundinnen und Kunden ist die Bruderhahn-Aufzucht ein wichtiges Anliegen. Deshalb entschieden wir uns dafür, die Pilotprojekte auszubauen. Mittlerweile sind wir mit einer guten Futterstrategie und einem angemessenen Verkaufspreis so weit, dass fast sechzig Prozent unserer Hennen einen Bruder haben. Und wir möchten das noch weiter ausbauen.


Wie alt werden die Bruderhähne?

Die Bruderhähne kommen als Eintagsküken von einer nahegelegenen Bio-Brüterei zu uns, und wir füttern sie rund neunzig Tage lang. Dann sind sie reif für die Metzgerei. Wir verkaufen sie über unseren Hofladen, den Bio-Fachhandel und verschiedene Restaurants. Im kleinen Stil kann die Bruderhahn-Aufzucht und -Vermarktung so funktionieren. Ich bin gegen Quersubventionierung mit einem höheren Eierpreis, denn der genaue Preis eines Bruderhahnes sollte für die Kundschaft transparent sein. Ich freue mich, dass immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten ein Bewusstsein für die Bruderhahn-Aufzucht zeigen und entsprechende Projekte unterstützen.


Weitere Informationen: www.gutsbetrieb-eichberg.ch


Das Interview wurde in der Zeitschrift Oliv 8/2018 publiziert. Fotos: Eichberg

Daniel Mahler, Knospe-Landwirt: «Das Interesse an der Bruderhahn-Aufzucht wächst»

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