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Qualität vor Quantität – Porträt eines passionierten Winzers


Der Walliser Winzer Didier Joris ist seit vielen Jahren Anhänger von ökologischen Weinen; jetzt macht er den Schritt zur Knospe-Zertifizierung.



Der Werdegang von Didier Joris ist eher untypisch. Anfänglich war er als Önologe und Leiter von grossen Weinbaugütern in der Weinbauforschung tätig. Heute arbeitet er als selbstständiger Winzer und betreibt ein Analyselabor für Wein in Chamoson VS. «Dieses Jahr habe ich meinen 43. Weinjahrgang produziert, im Labor arbeite ich seit 1983», erklärt der Walliser.
Seine Reben wachsen auf rund zwanzig verschiedenen Parzellen mit einer Gesamtfläche von etwa drei Hektaren. Er produziert durchschnittlich zwischen 8‘000 und 12‘000 Flaschen Wein. «Ich ernte knapp 300 Gramm Trauben pro Quadratmeter, was etwa einem Viertel der Menge entspricht, die im Rahmen der Ertragsbeschränkung zugelassen ist», betont Didier Joris. «Das ist der Preis, der mir die Qualität wert ist, und es entspricht dem natürlichen Ertragspotenzial meiner Böden. Damit kann ich den Betriebsmitteleinsatz massiv reduzieren. Dieses Jahr habe ich rund ein Kilogramm Kupfer pro Hektare eingesetzt, obwohl bis zu vier Kilogramm erlaubt sind», fügt er hinzu.

An den Hängen mit den stark kalkhaltigen Böden baut er hauptsächlich weisse Reben der Sorten Savagnin – auch Païen oder Heida genannt – sowie Chardonnay, Riesling und Diolle an. Die Parzellen auf dem Schwemmkegel sind mit den roten Rebsorten Syrah, Cabernet Franc, Merlot, Cornalin (Rouge du Pays) und Divico sowie mit den weissen Sorten Divona und Petite Arvine bepflanzt.

Dieses Jahr wird der Betrieb von Didier Joris zum ersten Mal die Knospe erhalten. «Ich setze schon seit 13 Jahren keine synthetischen Betriebsmittel mehr ein, aber ich habe erst 2017 mit der Umstellung begonnen», erklärt er. In biologischen Rebanlagen ist die Kontrolle des Unkrautbestandes das Hauptproblem. Bei jedem Gang durch seine Reben reisst Didier Joris in der Reihe wachsende unerwünschte Pflanzen aus. In seinen Reben setzt Didier Joris auch auf Biodiversität. Zur Förderung von Nützlingen pflanzt er deshalb Sträucher, Bäume und Hecken.
Didier Joris verfolgt nicht nur im Rebberg, sondern auch im Weinkeller eine Strategie des minimalen Betriebsmitteleinsatzes und der möglichst naturnahen Weinpflege. Er ist davon überzeugt, dass biologische Weine weniger heikel sind als konventionelle und setzt daher deutlich weniger Sulfite ein, als die Richtlinien von Bio Suisse erlauben würden. Bei den Rotweinen kann er zudem auf den Zusatz von Hefen verzichten, nicht jedoch bei den Weissweinen. In seinem mehrstöckigen Weinkeller lässt sich der Wein mit Schwerkraft und ohne Pumpe umfüllen, wodurch er nicht unnötig gestört wird.

Für die Vermarktung kann Didier Joris auf einen treuen Kundenstamm zählen, der die Finesse und den Charakter seiner Weine schätzt. Auch die Weinkarten der renommiertesten Westschweizer Restaurants listen seine Weine auf, denn sie sind im Spitzenqualitätssegment angesiedelt. Den grössten Teil seiner Produktion verkauft der Winzer mittels Mailingliste an seine Kundinnen und Kunden. Diesen Kanal nutzt er auch, um diese über die Betriebsumstellung und über seine Arbeitsphilosophie zu informieren. Jedes Jahr organisiert er zusammen mit Künstlern, die ihre Werke in seinem Weinkeller ausstellen, einen Tag der offenen Tür. Denn darin sind sich alle einig: Guten Wein herzustellen, ist eine echte Kunst!


Weitere Informationen
www.didierjoris.ch


Text: Christian Hirschi; der vollständige Artikel erschien im Bioaktuell 1/2019.
Bilder: zvg / Christian Hirschi

Qualität vor Quantität – Porträt eines passionierten Winzers

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