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Roland Lenz, Biowinzer: «Biodiversität erhöht die Qualität des Weins»



Roland Lenz bewirtschaftet seit 25 Jahren eines der grössten Bio-Weingüter der Schweiz. Es umfasst 17,5 Hektaren bestockte Rebflächen, mehrheitlich pilzwiderstandsfähige Sorten, und 3,5 Hektaren Biodiversitätsflächen.


Herr Lenz, Sie wurden im 2015 und im 2018 Biowinzer des Jahres. Haben Sie hauptsächlich Biowein-Kunden? 

Viele unserer neuen Kunden lernen in einem Restaurant einen Wein wie unseren «Quarteto weiss» kennen. Dann besuchen Sie uns auf dem Weingut und realisieren erst im Gespräch, dass wir Bio sind.


Als Biowinzer dürfen Sie viel weniger Hilfsmittel einsetzen. Wie erreichen Sie trotzdem eine hohe Qualität? 

100 Prozent unserer Qualität entstehen im Rebberg. Im Mai, Juni, Juli und August leben wir quasi draussen im Rebberg und sorgen für gesunde Trauben. Reben sind Lebewesen in einem Ökosystem. Wenn der Winzer das versteht, kommt es gut.


Sie legen Wert auf eine hohe Biodiversität. Wie beeinflusst das die Qualität des Weins?

Seit 2013 setzen wir – beeinflusst von Delinat – ein neues Biodiversitätskonzept um. Einerseits pflanzen wir möglichst viele Traubensorten an, anderseits fördern wir auf unserem Betrieb die Lebensvielfalt mit Flächen für Altgras, Hecken und Altholz. Sortenvielfalt und Artenvielfalt kombinieren wir, indem wir die Biodiversitätsflächen und Sortenparzellen regelmässig und klein strukturiert abwechseln. Das schafft Platz für Nützlinge und bringt Luft in die Reihen, was wiederum den Krankheitsdruck senkt. Nur mit gesunden Reben erzielen wir einen hochwertigen Wein.

Ist das heute Standard im Weinbau?

Leider nein. Viele Winzer haben Angst, Rebfläche für die Biodiversität zu opfern und erkennen nicht, dass sie dadurch viel gewinnen würden.


Brauchen Biodiversitätsflächen viel Pflege? 

Die meisten Arbeiten können wir in einer Zeit erledigen, in der die Arbeitsbelastung im Weinberg tief ist. Sträucher wie Pfaffenhut oder Felsenbirnen brauchen einen Wildschutz. Oder die Wildrosen etwa müssen wir regelmässig zurückschneiden. Im Sommer mähen wir die Flächen und lassen mindestens 10 Prozent Altgras als Rückzugsstreifen für Kleintiere stehen. Mit solchen Massnahmen haben wir das Mäusewiesel wieder angesiedelt. Das hat uns die Mäuseschäden in den Reben spürbar reduziert.
Sie unterstützen die Initiative für sauberes Trinkwasser, die den Pflanzenschutzmitteleinsatz drastisch reduzieren will. Bringen Sie selbst noch Pflanzenschutzmittel aus?
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel bringen wir seit der Umstellung auf Bio nicht mehr aus. Bei den pilzwiderstandsfähigen Sorten (PIWI) spritzen wir nur noch Pflanzenstärkungsmittel wie Algen- oder Baumrindenpräparate. Die Rebstöcke der europäischen Sorten behandeln wir aber nach wie vor mit Tonerde, Backpulver und Kupfer.


Ist Kupfer nicht problematisch?

Wir konnten den Kupfereinsatz bei den herkömmlichen europäischen Sorten auf 1,5 kg pro Hektare reduzieren. Das Beste wäre, wenn wir ihn in Kombination mit unterstützenden Präparaten auf 100 Gramm pro Hektare reduzieren könnten. Das wäre die Dosis, die als Düngung gilt.



Haben Sie keine Angst vor neuer Konkurrenz, falls wegen der Trinkwasserinitiative mehr Bauern auf Bio umstellen?

Nein, Konkurrenz belebt den Markt. Wir haben einen grossen Vorsprung und entwickeln uns ständig weiter. Als wir 1994 mit dem Weinbau begonnen haben, gab es hier 30 Prozent Müller-Thurgau und 70 Prozent Pinot Noir. Heute sind über 60 Prozent der Fläche mit PIWI-Sorten bepflanzt.

Warum setzen nicht mehr Winzer PIWI-Sorten ein?

Das verstehe ich auch nicht. Die widerstandsfähigen Sorten sind doch viel wirtschaftlicher! Sie benötigen 50 Prozent weniger Handarbeit. Und nicht nur im Weinbau könnten widerstandsfähigere Sorten viele Probleme lösen. Aber weder der Schweizer Bauernverband noch die Verwaltung engagieren sich im nötigen Ausmass dafür. Unseren Funktionären geht wohl jedes Unternehmertum ab. Sie verteidigen lieber das etablierte Direktzahlungssystem, wo der Landwirt ein Lohnempfänger ist.


Ausgezeichneter Bio-Wein

Der Bio-Wein von Roland und Karin Lenz aus Uesslingen TG ist mehrfach national und international ausgezeichnet. Das Weingut auf dem Iselisberg mit Blick auf Frauenfeld erfüllt die Richtlinien von Bio Suisse und Delinat. Der Betrieb versorgt sich selbst mit Energie aus einer 58 kWp Photovoltaikanlage mit einer 230 kW-Speicher und aus Wärmerückgewinnungsanlagen und Erdsonden.

Webpage: www.weingut-lenz.ch


Roland Lenz, Biowinzer: «Biodiversität erhöht die Qualität des Weins»

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