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Schälsonnenblumen der Ferme Jaggi: Die Regeln der Natur respektieren


Die Waadtländer «Ferme Jaggi», aus altem Stein gebaut, steht mitten im 400-Seelen-Dörfchen Coinsins über dem Genfersee. Hier leben Francis und Marie Jaggi. Sie gehören zu der Sorte Menschen, die gerne Ungewohntes anpacken. Zum Beispiel bauen sie Schälsonnenblumen an für Biofarm.


Auf der Fahrt durch Reben und Felder, abseits des Autobahnverkehrs, überkommt einen der Eindruck, als sei die Zeit stillgestanden. Die Bewohner im kleinen Ort am Jurasüdfuss heissen Coinsinnois und Coinsinnoises. Unterhalb des Dorfes, auf sechs Hektaren Ackerland, gedeihen die Sonnenblumen von Francis Jaggi. Mit schweren Köpfen stehen sie im Spätsommer da. Aus nächster Nähe betrachtet fallen die schwarz-weiss gestreiften Kerne auf. Es ist das typische Erkennungsmerkmal der Schälsonnenblume, deren Kerne im Gegensatz zu den schwarzen Samen der Ölsonnenblume nicht zu Öl verarbeitet, sondern verlesen, getrocknet und in einem speziellen Verfahren geschält werden.



Auch die Vögel mögen «Birdy»

«Die Sonnenblume ist eine ökologische Kultur par excellence», sagt Francis Jaggi, «denn sie ist robust und genügsam und richtet sich als Jungpflanze auch wieder auf, wenn sie darnieder liegt.» Dass er zur Unkrautbekämpfung in der Regel mit drei Hackdurchgängen auskommt, findet der Biobauer genial. Aber auch er steht mit dieser Kultur vor Herausforderungen: Im Frühjahr lieben die Schnecken die Pflänzchen genauso heiss wie gegen Sommerende die Vögel die Körner.

Fast ironisch mutet es denn auch an, dass Francis Jaggi Mitte April für Biofarm die Sorte «Birdy» aussät. Sie kommt in nicht zu dichten Reihen in den Boden. Wenn die grossen Köpfe im Spätsommer mit ihrem schweren Inhalt herabhängen, brauchen sie genügend Platz. Aber sogar diesen ausgesprochenen Sonnenkindern kann zu viel Sonne schaden. Der Landwirt erklärt: «Bis zu einem Drittel weniger Ernte gibt es, wenn uns besonders lange Trockenheit beschert ist, denn auf Wassermangel reagiert die Pflanze mit Verkrümmungen des Samenkorbes und bildet weniger Kerne aus.»

Teamarbeit mit Tüftler und mit Müller

Nicht nur der Anbau, auch die Aufbereitung von Schälsonnenblumen bedarf eines gewissen Know-hows. Die ölhaltigen Kerne verursachen nach dem Schälprozess einen hohen Reinigungsaufwand in der Mühle. Vor dem Mahlen gilt es deshalb, die geschälten Kerne von winzigen Schalenstücklein und Unkrautsamen zu befreien. In den Sonnenblumenkernen von Francis Jaggi steckt deshalb auch die beherzte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen regionalen Gliedern der Wertschöpfungskette vom Anbau über die Aufbereitung bis zur Mühle. 


Ökologisch wirtschaften: sonnenklar!

Biolandbau sei für ihn eine Selbstverständlichkeit, sagt Francis Jaggi. Als er den elterlichen Hof übernahm, war die Umstellung auf eine ökologische Wirtschaftsweise für den einstigen Globetrotter sonnenklar. Seine Ausbildung auf der Landwirtschaftsschule, gegen Ende der Neunzigerjahre, seine Reise um die Welt sowie seine Lehr- und Wanderjahre in Australien, Kanada, und USA haben ihn überzeugt: «Vor allem in den USA habe ich die Extreme des Einsatzes von Chemie in der Landwirtschaft und die damit verbundenen Auswirkungen gesehen. Das hat mich darin bestätigt, dass wir die Regeln der Natur und ihrer Kreisläufe respektieren müssen.»



Seine Frau Marie doppelt nach: «Wir Menschen sind zur Nachhaltigkeit verpflichtet.» Die ausgebildete Krankenpflegerin ist Wahl-Coinsinnoise und stammt aus Schweden. Hier im Waadtland hat sie sich nicht nur auf eine neue Sprache, sondern auf ein völlig anderes Leben eingelassen. Mit Hingabe und Überzeugung übernimmt sie auf dem Betrieb ebenso ergänzende wie kreative Aufgaben - zum Beispiel die Herstellung von originellen Getreidespezialitäten. Der Weg in die grosse Welt hinaus kann mitten ins Herz führen und direkt ins kleine Coinsins.

Webpage : www.jaggiferme.ch und www.biofarm.ch

Text: Sabine Lubow

Schälsonnenblumen der Ferme Jaggi: Die Regeln der Natur respektieren

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