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«Wir müssen die Konsumenten als Partner gewinnen»

im Bild: Richard Schierscher und Sohn

Liechtenstein ist eine Bio-Hochburg. Das liegt auch an Bio Liechtenstein. Vor 20 Jahren gegründet, hat der Verein den biologischen Landbau schrittweise weiterentwickelt und die Wahrnehmung für Bio in der Öffentlichkeit gestärkt. Anita Gstöhl, Co-Präsidentin, und Richard Schierscher, Vorstandmitglied der ersten Stunde, im Gespräch.

Mit fast 39 Prozent weist Liechtenstein den weltweit höchsten Bio-Anteil bei der Landwirtschaftsfläche auf. Wie haben Sie das in 20 Jahren geschafft? 

Anita Gstöhl (AG): Die Initiative ging Anfang der 90er Jahre von einer privaten Stiftung aus. Diese hat den Biolandlandbau in Liechtenstein gefördert. Als ab Mitte der 90er Jahre dann auch der Staat Bio-Beitrage zahlte und die Grossverteiler in den Biomarkt eingestiegen sind, stellten immer mehr Betriebe um. Die Zollunion mit der Schweiz ermöglicht es den Betrieben in Liechtenstein, ihre Produkte in die Schweiz zu liefern. Heute sind 39 der insgesamt 101 Landwirtschaftsbetriebe in Liechtenstein Bio-Betriebe.

im Bild: Anita Gstöhl und Familie

Ist es für ein kleines Land wie Liechtenstein einfacher, den Biolandbau voranzutreiben?

Richard Schierscher (RS): Ich war der erste Bauer, der auf Bio umgestellt hat. Das war vor 35 Jahren und keine einfache Zeit. Viele haben mich belächelt. Denn ausser ein paar Bio-Läden gab es keine Absatzkanäle. Ich habe das Rindfleisch in den konventionellen Kanal geliefert. Wie Anita gesagt hat, kam Bio erst viel später in Fahrt. Mir ging es denn auch nicht um die wirtschaftlichen Aspekte. Ich habe aus Überzeugung umgestellt, weil Bio die nachhaltigste Form der Landwirtschaft ist.

AG: Wenn es dann mal läuft, ist man in einem kleinen Land wie Lichtenstein mit nur etwas mehr als 100 Landwirtschaftsbetrieben sicher schneller auf einem höheren Prozentsatz. Heute ist der Biolandbau in Liechtenstein akzeptiert und das freut mich sehr.

Was sind die bevorzugten Bio-Kulturen in Liechtenstein und über welche Kanäle gelangen die Produkte an die Konsumentinnen und Konsumenten?


AG: Aufgrund von Klima und Topografie ist der Grossteil des Landwirtschaftsbodens Grünland: Bei 40 Prozent unserer Mitglieder ist Milch der Hauptbetriebszweig, gefolgt von Fleisch (Bio Weide Beef), Eiern (eher Direktvermarktung) und Getreide sowie Verarbeitungsgemüse (Spinat, Kartoffeln). Unsere Rohprodukte werden vor allem von der Milchhof AG sowie vom Lebensmittelhersteller Hilcona weiterverarbeitet und dann in die Schweizer Detailhandelskanäle geliefert. Viele unserer Bauern vermarkten auch direkt ab Hof.

Bioland Liechtenstein ist eine Mitgliedorganisation von Bio Suisse: Wie kam es dazu?

AG: Liechtenstein hat mit der Schweiz einen gemeinsamen Markt. Daher war es klar, dass wir uns Bio Suisse anschliessen. Offen war zu Beginn, ob wir bei Bio Ostschweiz mitmachen oder eine eigene Organisation gründen. Da Liechtenstein über eine eigenständige Agrarpolitik verfügt, entschlossen wir uns, den Verein Bio Liechtenstein zu gründen. So sind wir näher bei unseren Bäuerinnen und Bauern.

Die Vision von Bio Suisse ist das «Bioland Schweiz». Ihr Verein trägt diese Vision im Namen: Wurde dies bewusst so gewählt?

RS: Das haben wir nicht bewusst gewählt, es hat einfach gepasst. Am Ende wird kein Weg an Bio vorbeiführen. Auch wenn viele Bio-Bauern derzeit gemischte Gefühle haben, weil bei einzelnen Kulturen der Markt gut abgedeckt ist. Hier muss es uns gelingen, noch mehr Konsumenten von Bio zu überzeugen.

AG: Jeder Betriebsleiter muss für sich selbst entscheiden, ob er auf Bio umstellen will oder nicht. Wichtig ist die persönliche Einstellung zu Bio, sonst leidet die Glaubwürdigkeit.

Richard Schierscher, Sie haben Bioland Liechtenstein mitgegründet und sind seit 20 Jahren im Vorstand: Was waren für Sie die grössten Veränderungen in dieser Zeit?

RS: Für mich war Bio von Anfang an die richtige Entscheidung. Als dann ab Mitte der 90er Jahre nach und nach ein Bio-Markt entstanden ist, hat mich das sehr gefreut: Nun konnte ich meine Bio-Produkte auch im Bio-Kanal absetzen. Dass wir heute in Liechtenstein so viele Bio-Betriebe haben, freut mich natürlich sehr.

Wo wird der Biolandbau in Liechtenstein in 20 Jahren stehen?

RS: Das hängt stark vom Markt ab, gerade im Milchbereich. Aber Markt hin oder her: Ich war ja schon vor 35 Jahren überzeugt, dass Bio die Zukunft ist (lacht).

AG: Das sehe ich wie Richard.

Sie haben zum Schluss einen Wunsch frei an die Konsumenten/innen.

RS: Ich wünsche mir, dass unsere Lebensmittel wieder mehr geschätzt werden. Nur wer versteht, wie wir diese produzieren, weiss um den Mehrwert – insbesondere bei Bio. Wird mehr Bio konsumiert, steigen auch mehr Betriebe um und wir kommen der Vision vom Bioland Liechtenstein schrittweise näher.

AG: Wer heute schon Bio kauft, den brauchen wir nicht mehr zu überzeugen. Wir müssen die Konsumenten aber noch mehr darüber informieren, dass viele Produkte Regional und Bio erhältlich sind. Wir Bäuerinnen und Bauern müssen die Konsumentinnen und Konsumenten verstärkt als Partner gewinnen. Daran arbeiten wir schon heute.


Mehr Infos zu den Bio-Betrieben in Liechtenstein finden Sie hier:
http://www.bioland.li/Konsumenten/Betriebe.aspx
«Wir müssen die Konsumenten als Partner gewinnen»

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