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«Kühe sind unsere Passion»


Eine Postleitzahl feiert ihr Comeback – 7099. 50 Jahre nach der Schliessung der Poststelle wird «7099 Egga» im Kanton Graubünden für die Geschwister Nina, Luzia und Lena Hitz zum beruflichen Fundament. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen die Liebe zu selbstgezüchteten ProSpeciaRara-Mutterkühen sowie die Leidenschaft für verarbeitete Bio-Fleisch-Spezialitäten.

Wie kommen drei Schwestern dazu, gemeinsam einen Hof zu führen?
Die Verbundenheit zueinander. Wir mussten von Kindsbeinen an auf dem Hof unserer Eltern mithelfen. Wir kennen also nur ein Mit- und Füreinander. Daraus entstand ein starker Bezug zu Hof und Ort – und auch eine wachsende Freude an der Landwirtschaft. Die Verantwortung für den Betrieb liegt nun seit neun Jahren bei mir. Aber da wir sehr vielfältig unterwegs sind, hat es für alle ausreichend Arbeit und Auskommen.

Die Hitz-Schwestern Nina, Luzia und Lena
Was macht euren Hof zu etwas Besonderem?
Dass wir nur Frauen sind (lacht). Und dass wir machen, was für uns stimmt und zu uns passt. Unsere Tiere sind unsere Passion. Wir hegen und pflegen sie, damit wir erstklassige Bio-Produkte anbieten können. Damit es ihnen gut geht, verwöhne ich sie schon mal mit einer Shiatsu-Massage und meine Schwester Lena betreut sie homöopathisch.

Ihr vertreibt eure Produkte direkt und nicht über den Handel – eine bewusste Entscheidung?
Ja, so haben wir von der Aufzucht über die Haltung bis zur Begleitung in den Schlachthof alles in eigenen Händen. Wir halten 18 ProSpezieRara-Mutterkühe, Hinterwälder oder Evolèner beispielsweise. Zusätzlich noch eine spezielle «indigene» Rinderrasse, das sogenannte «Wagyurind». Diese alle lassen wir zwei und mehr Jahre alt werden. So wird das Fleisch reifer und besser im Geschmack. Beim Futtern sind wir konsequent und benutzen kein Kraftfutter. Unsere Philosophie ist klar: Unsere Tiere essen nur, was bei uns auf natürliche Weise wächst - das sogenannte Bergfutter.

Pro Specie Rara Mutterkühe mit Kälbern

Wer verarbeitet das Fleisch eurer Kühe?
Die Fleischverarbeitung erfolgt in der Region bei der Metzgerei Oberau in Zizers GR. Das macht Transportwege kurz. Verarbeiten tun wir das ganze Tier, also von der Nase bis zum Schwanz. Unser ganzes Fleisch reift jeweils am Knochen und unterstreicht so die Qualität, die wir liefern. Unsere veredelten Fleischprodukte wie Hauswürste, Salsiz, Speck, Möstbröckli, Trockenfleisch und Knebel würzen wir nach Ur-Rezepten, die uns ein alter Metzger vermacht hat. Zur Lufttrocknung nutzen wir den Wind des Churwaldner Tals.

Wie hältst Du es denn generell mit dem Fleisch-Konsum?
Ich esse natürlich am liebsten unser eigenes Fleisch – da habe ich in allen Belangen ein gutes Gewissen. Generell finde ich, wir sollten Fleisch mit Würde und Achtsamkeit essen. Diese Philosophie lasse ich auch klar beim täglichen Umgang mit meiner Kuh einfliessen. Ich finde, das bin ich ihnen schuldig. Die Kuh ist für mich ein einmaliges Tier – geerdet und sensibel.

Regionale Spezialitäten
Warum setzt Du auf Bio?
Das hat sich bei mir nach und nach entwickelt. Als Bio-Bäuerin muss ich anders arbeiten. Ich muss auf die Natur eingehen, sie ganzheitlich sehen. Für mich ist das heute selbstverständlich, und es fühlt sich auch gut an.

Der Sommer steht vor der Tür: Dein Geheimtipp für das perfekte Grillfest?
Wichtig beim Grillieren ist eine gute Fleischqualität. Unser Fleisch beispielsweise hat einen feinen Eigengeschmack, sodass wir kaum würzen. Für mich besonders wichtig:  Sich Zeit nehmen. Sei es, dass ich das Fleisch Tage im Voraus aus dem Gefrierer nehme oder stundenlang mit Holz und wirklich nur mit Holz, einfeuere, um eine schöne Glut zu bekommen. Nehmen Sie sich beim Grillieren bewusst Zeit.



Sie haben einen Wunsch frei an die Konsumenten/innen.
Für viele Leute sind ein Auto oder ein Smartphone selbstverständlich. Dafür sind sie bereit, viel Geld auszugeben. Ich wünsche mir, dass dies vermehrt auch für das Essen gilt. Dass die Konsumentinnen und Konsumenten den Wert von guten Lebensmitteln wieder schätzen und auch bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen. Ich fände es schön, wenn wir wieder mehr Dankbarkeit und Raum für das Essen einräumen würden. Wir sollten bewusster Essen und uns dafür Zeit nehmen! Denkt daran: Du bist, was du isst.

Mehr Informationen: https://7099egga.ch

Interview und Fotos: Bio Suisse

«Kühe sind unsere Passion»

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