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«Raps ist eine faszinierende Kulturpflanze mit vielen Herausforderungen»

Stéphane Challandes auf einem seiner Rapsfelder

Im Alter von 55 Jahren hat Stéphane Challandes 2018 auf biologischen Landbau umgestellt. Zusammen mit seiner Familie bewirtschaftet er im Val-de-Ruz (NE) eine Anbaufläche von etwa 60 Hektaren. Er hat die Milchproduktion aufgegeben und widmet sich heute, neben der Kälbermast mit Mutterkühen, dem Getreideanbau sowie dem Anbau einiger Spezialitäten wie Quinoa, Linsen, Kichererbsen und Raps – letzterer nimmt einen besonderen Platz in seinem Herzen und seiner Strategie ein.

Das Val-de-Ruz liegt auf 800 Metern über Meer – in einer Höhe, auf der man normalerweise keine Rapsfelder erwartet. Warum bauen Sie Raps an?
In erster Linie, weil es Tradition ist. Das Val-de-Ruz ist die Kornkammer des Kantons Neuenburg. Feldfrüchte gedeihen in der Region seit jeher besonders gut. Und wir haben hier schon immer Raps angebaut. Unsere Erträge stehen also denen aus dem Anbau entlang des Seeufers in nichts nach. Zudem spielt der Raps eine wichtige Rolle für den Landbau, da seine Pfahlwurzeln den Boden auflockern. Und schliesslich ist Raps auch eine wertvolle Biokultur, weil er im Wechsel mit Weizen angebaut werden kann.
Man hört jedoch häufig, dass der biologische Anbau von Raps extrem schwierig ist. Warum?
Raps wird im August ausgesät und im Juli geerntet. Während dieser langen Periode ist er – zu allen Jahreszeiten – zahlreichen Schädlingen ausgesetzt: Rapsglanzkäfer, Rüsselkäfer und Schnecken verbünden sich jedes Jahr, um die Rapskultur zu verwüsten. Im Biolandbau können wir nur eines tun, nämlich die Pflanzen mit Steinmehl besprühen. Das überzieht die Blätter mit einem weisslichen Film, weswegen die Insekten sie nicht mehr erkennen können. Diese einfache Illusion hält Schäden in Grenzen. Unsere Erträge – etwa 2,5 Tonnen pro Hektare – sind jedoch etwas geringer als die herkömmlicher Produzenten.
 
Was hat Sie dazu bewegt, zum biologischen Landbau zu wechseln?
Nach Jahren der Milchproduktion und des Anbaus von Kulturen für Industriebetriebe hatte ich Lust, den Konsumenten entgegenzukommen und auf ihre Bedürfnisse zu reagieren. Mit dem Biolandbau ist mir dies möglich. Mein Ziel ist es, eine eigene Ölpresse zu installieren, meinen gesamten Raps zu Öl zu verarbeiten und direkt ab Hof zu verkaufen.


 
Wenn man von Speiseöl spricht, denkt man zuerst an Olivenöl, dann an Sonnenblumenöl, aber nicht an Rapsöl. Gibt es dafür wirklich einen Markt?
Ja, und er wächst! Bedauerlicherweise leidet Rapsöl noch immer unter dem althergebrachten Ruf, nach Gras zu schmecken und auf Hitze schlecht zu reagieren. Dabei gibt es seit 15 Jahren die sogenannten HOLL-Rapssorten, die einen hohen Gehalt an Ölsäure und einen niedrigen Gehalt an Linolensäure aufweisen. HOLL-Rapsöl behält seine Nährwertqualität auch bei hohen Temperaturen und seine Fettsäuren werden nicht zerstört. Es besitzt weniger gesundheitsschädigende gesättigte Fettsäuren als Olivenöl und einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Die Nährwerte des Rapsöls sind genauso interessant wie die des Olivenöls. Wird es zudem lokal und ohne synthetische Pestizide produziert, ist seine Umweltbilanz deutlich besser.
 
Wie vermarkten Sie Ihre Produkte?
Ich beliefere etwa 20 Wiederverkäufer (Lebensmittelgeschäfte, Bioläden, Läden mit Offenverkauf usw.) in der ganzen Westschweiz mit meinem Rapsöl, welches aktuell noch von einem Neuenburger Kollegen gepresst wird. Um meine Bag-in-Box und meine Flaschen zu vertreiben, musste ich mir zuerst noch neue betriebswirtschaftliche Kenntnisse aneignen. Aber schliesslich bereitet mir der Kontakt mit dem Konsumenten genauso viel Freude wie der landwirtschaftliche Aspekt des Rapsanbaus.

Interview Claire Muller
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