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Luft und Licht für Schweine

Kühe, Schafe, Hühner und Ziegen – nicht nur Kinder freuen sich, wenn man Tiere auf der Weide trifft. Das Schwein findet man in der Landwirtschaft jedoch selten im Freien. Die Schweinehaltung geschieht meistens hinter verschlossenen Türen. Nicht so bei den Husys auf dem Bio-Hof Mönchmatten in Unterentfelden, Aargau.


Der Bach rauscht, man lässt das Dorfzentrum hinter sich. Wenn man der Suhre in Unterentfelden entlangspaziert, kommt man direkt am Mönchmattenhof vorbei. Von weitem ist noch alles still, doch dann kommt Bewegung ins Spiel. Ein Lamm schaut hervor und mäht. Und siehe da: Plötzlich kommen einige Schweine aus dem angrenzenden Bereich. Eines suhlt sich. Ein anderes nähert sich, wenn man stehen bleibt. Und dann kommen weitere von hinten dazu und schauen neugierig. Gross sind die Schweine, bis zu 115kg wiegen die schwersten.

Ein Hoch aufs Schwein
Entgegen aller Vorurteile ist das Schwein ein äusserst intelligentes und sauberes Tier. Schweine sind zudem neugierig, verspielt und gerne in der Gruppe. Eine artgerechte Tierhaltung ist Walter & Brigitte Husy auf ihrem Bio-Betrieb für alle Tiere wichtig, egal ob Schwein, Schaf oder Pferd. Sie wollten aber speziell das Tierwohl der Zucht- & Mastschweine fördern. «Schweine haben Bedürfnisse. Sie möchten wühlen, sich suhlen und im Sommer auch abkühlen.» Mit Spielgeräten mit Maiskörnern und Weidezugang bleiben sie beschäftigt. Wenn die Schweine im Stall gehalten werden, können sie ihr ursprüngliches Verhalten nicht ausleben. Kein Wunder, hat sich der Spruch «Armes Schwein» etabliert. Mehr Wertschätzung fürs Schwein – ein wichtiges Thema in der Landwirtschaft, das auch mehr Bewusstsein bei Konsumenten erfordert.


Wertschätzung fürs Schwein
Schweine sind wertvolle Tiere. Leider ist der Preisdruck enorm. In der Schweiz ist Schweinefleisch das meistkonsumierte Fleisch, der Anteil von Bio ist mit knapp 2% äusserst gering. Als Konsument und Konsumentin trägt man viel Verantwortung und steuert die Nachfrage. Achtung bei günstigem Schweinefleisch - insbesondere aus dem Ausland. Tipps: Fragen Sie beim Metzger des Vertrauens nach Bio-Schweinefleisch aus der Region oder achten Sie auf das Knospe-Label. Viele Bio-Höfe bieten auch Direktverkauf an. Bei der Familie Husy können Mischpakete vom Schwein oder vom Lamm zur Abholung bestellt werden unter: hof.moenchmatten@bluewin.ch.

Mehr Tierwohl, bessere Bedingungen
«Ich wollte, dass die Leute unsere Schweine draussen sehen – sie sollen die Schweine naturnah erleben können, wenn sie hier vorbeispazieren.» Wie sieht es aber mit der Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung aus? Ist eine Schweinehaltung mit Auslauf, Weidezugang und Wühlareal nur mit Mehraufwand und zusätzlichen Kosten verbunden? 


Wühl- und Wohlfühlareal für Mastschweine
«Es ist toll, wenn die Schweine ihren Instinkten folgen und im Sommer im Pool grunzen und baden», so der 39-jährige Bio-Landwirt. Im Sommer 2020 hat er das Wühl -und Wohlfühlareal mit Weidezugang und Pool für seine Schweine fertiggestellt. «Ja, ich habe etwas mehr Aufwand. Der Pool muss zusätzlich gereinigt werden, das Wasser wird 2 x wöchentlich erneuert.» Ob er einen Unterschied im Verhalten der Schweine bemerkt? «Auf das Sozialverhalten wirkt sich die neue Fläche positiv aus.» Walter Husy erklärt: «Das neue Areal hat einiges gekostet. Ich habe vieles selbst gemacht und in Eigenleistung gebaut, aber nur schon ein doppelter Zaun ohne Strom mit Knotengittern und Holzpfählen kostet rund CHF 17'000.-.» Dieser ist notwendig, um die Tiere vor übertragbaren Krankheiten von Wildschweinen zu schützen. Im Sommer gibt es draussen auch ein Schatten-Netz, Schweine haben keine Schweissdrüsen und können Sonnenbrand bekommen. Deshalb muss der Aussenbereich auch gut geplant und beschattet werden.  

Wie sich das finanziert? Husys Projekt «Wühl- und Wohlfühlareal für Mastschweine» wurde von der Haldimann-Stiftung Aarau grosszügig unterstützt. Und sie bleiben dran. Ein weiterer Plan: In naher Zukunft soll die Galtsauenweide im hinteren Teil vergrössert werden.

Text: Maya Frommelt, Bilder: Pascal Debrunner via Unsplash und Maya Frommelt

Weitere Informationen zur Schweinehaltung
Nicht alle Schweine leben so, wie in diesem Portrait - auch Bio-Schweine nicht. Auslauf ist nach Tierschutzverordnung nicht vorgeschrieben. Es gibt jedoch auch innovative und engagierte Bauern, die ihren Tieren bessere Standards bieten. In den Richtlinien von Bio Suisse haben Galtsauen, Aufzuchtferkel, Mastschweine, Remonten und Eber einen permanent zugänglichen Auslauf. Für Galtsauen wird eine Weide empfohlen. Wird keine Weide angeboten, ist ein Wühlbereich obligatorisch.

Interview zum Thema
Darf man Tiere nutzen? Interview mit Dr. Florian Leiber, Leiter Departement Nutztierwissenschaften am FiBL

Der Mönchmattenhof

Bio Suisse und KAGfreiland-zertifiziert: Walter und Brigitte Husy sind seit 2017 auf dem Mönchmattenhof, wo sie möglichst naturnah und nachhaltig produzieren. Die Mastschweine verbringen ihr gesamtes Leben auf dem Geburtsbetrieb. Eber Rudi, Heino und Co sorgen zusammen mit zugekauftem Ebersperma für Nachwuchs. Zum Hof gehören 40 Mutterschweine, 260 Mastschweine, 50 Mutterschafe mit ihren Lämmern und 6 Pferde. Alle Tiere haben permanenten Auslauf.

Die Betriebsfläche beträgt 33ha, davon sind 20ha Ackerkulturen: Weizen, Dinkel, Körnermais, Zuckerrüben und Soja werden für das Tierfutter angepflanzt. Der Boden wird im Sinne der regenerativen Landwirtschaft mit dem Geohobel pfluglos bearbeitet. Die restlichen Flächen sind Dauerwiesen, Biodiversitätsflächen und 85 Hochstammobstbäume.

Luft und Licht für Schweine

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