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Bio auf Erfolgskurs: «Bio wuchs um knapp 20 Prozent»

Das Jahr 2020 war ein richtiges Rekordjahr für die Bio-Branche in der Schweiz. Bio wuchs 2020 um knapp 20 Prozent. Wie dies zu erklären ist, welche Produkte besonders gefragt sind und wie eine Prognose auf das aktuelle Jahr aussehen kann, verrät Jürg Schenkel, Marketingleiter bei Bio Suisse. 


Die Knospe erzielt 2020 neue Bestmarken. Wir konnten in der Bio-Branche gleich mehrere Rekorde verbuchen: 445 Franken gaben die Menschen in der Schweiz im Jahr 2020 pro Kopf und Jahr für Bio-Lebensmittel aus. Das ist weltweit einzigartig! Dass Bio nicht nur ein vager Trend ist, sondern tatkräftig stärker nachgefragt wird, zeigt sich im Konsumverhalten: Die Schweizer kauften Bio wie nie zuvor: Der Absatz von Bio-Produkten wuchs um satte 19,1 Prozent! Weitere Spannende Fakten erfahren Sie im Interview an Anlehnung an die Jahresmedienkonferenz von Bio Suisse.

Jürg Schenkel, Marketingleiter
Herr Schenkel, wie beurteilen Sie als Marketingleiter das Jahr 2020 für die Bio-Branche in der Schweiz? 
Das Wachstum am Markt war in den letzten Jahren der Treiber der Bio-Bewegung in der Schweiz. Schritt für Schritt machen wir die Schweizer Landwirtschaft so ein Stückchen nachhaltiger. Die Bewegung kannte immer schon nur eine Richtung: Nach oben. Aber ich kann mich an keinen Wachstumssprung erinnern, wie ihn Bio in der Schweiz letztes Jahr erlebt hat. Der Schweizer Detailhandel vermeldet für das abgelaufene Jahr Rekordzahlen.  

Wie erklären Sie diese Rekordzahlen? Hatte die Corona-Pandemie Einfluss auf den Umsatz? 
Wegen geschlossener Restaurants und Kantinen kochten die Menschen zu Hause und aufgrund der geschlossenen Grenzen kauften sie in der Schweiz ein. Zusätzlich zum starken Wachstum im Bio-Segment trieb diese Entwicklung den Umsatz mit Bio-Artikeln auf ein neues Rekord-Niveau. 

Haben sich alle Bio-Produkte so gut entwickelt?  Welche Kategorien stechen hervor und gibt es vielleicht auch Produkte, die gelitten haben? 
Wir können die veränderten Gewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten gut an unseren Zahlen ablesen. Zum Beispiel ist der Absatz von Convenience und Tiefkühlprodukten sehr stark gewachsen. Insgesamt bleiben die beliebtesten Produkte seit Jahren unverändert: Eier, Frischbrot und Gemüse. Der Absatz und Marktanteil von Eiern und Gemüse sind auch wieder gestiegen. Brot hingegen hat verloren. Ein Grund dafür – Sie erinnern sich vielleicht noch an die leeren Mehl-Regale – liegt sicher daran, dass im Frühling die Menschen das Backen wieder für sich entdeckten und nun auch gerne selber Brot backen. 

Was hat Sie im vergangenen Jahr überrascht? 
Der Pro Kopf Bio-Konsum. Die Menschen in der Schweiz haben auch 2020 wieder deutlich mehr Bio konsumiert als noch im Jahr zuvor. Mit 445 Franken pro Kopf und Jahr halten die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sogar den Weltrekord! Erstmals haben wir diese Zahl in diesem Jahr auch auf sprachregionale Unterschiede untersucht. Dabei ist uns aufgefallen – und das dürfte unsere Freunde in der Westschweiz freuen: Die Menschen in der Romandie kaufen am meisten Bio ein, und zwar rund 10%  über dem Durchschnitt.


Können Sie bereits eine Prognose für das aktuelle Jahr 2021 geben? 
Wir gehen davon aus, dass der Markt auch im 2021 wachsen wird. Stark auch unterstützt durch den Handel, der einen signifikanten Ausbau des Bio-Umsatzes plant – allen voran die beiden grossen Detailhändler. 

Sie sind bereits seit knapp 15 Jahren als Marketingleiter bei Bio Suisse tätig. Was ist Ihr grösstes Learning?
Bei Bio Suisse spielt die Nachhaltigkeit auf der ganzen Wertschöpfungskette - also vom Feld bis auf den Teller - eine zentrale Rolle. Dieses Konzept unterscheidet Knospe-Produkte massgeblich von anderen Bio-Produkten. Es ist die grosse Herausforderung, dies breit und einfach zu kommunizieren. Unsere neue Kampagne zeigt dies auf. Sie soll vor allem auch Konsumenten darüber informieren, die in den letzten Monaten verstärkt zu Bio Suisse Produkten gegriffen haben. Ich bin gespannt, was die Konsumierenden zur neuen Kampagne sagen, die im Mai 2021 starten wird.  

Zur Person
Jürg Schenkel ist seit 2006 als Leiter Marketing bei Bio Suisse tätig. Er hat die Marketingstrategie erfolgreich weiterentwickelt, verantwortet Sales und Key Account Management sowie die Marketingkommunikation. Er hat wertvolle Erfahrungen als Marketing & Sales Director bei verschiedenen Unternehmen mitgebracht. 

Apropos
Alle Zahlen und Fakten zum Bio-Markt in der Schweiz finden Sie bei uns auf der Webseite:
Bio in Zahlen

David Hermann und Jürg Schenkel. Bilder: Markus Spiske via unsplash, Archiv Bio Suisse
Bio auf Erfolgskurs: «Bio wuchs um knapp 20 Prozent»

Kommentare

  1. War Markus Ritter Pate bei Ihrem kleingeistigen Entscheid: Nein zur Trinkwasserinitiative?
    Mit freundlichen Grüssen
    Paul Nievergelt

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    1. Herzlichen Dank für Ihre engagierte Rückmeldung auf den Kassensturz-Beitrag zur Trinkwasser-Initiative (TWI). Sie zeigt, dass die Erwartungen an den Biolandbau hoch sind und unser Verband kritisch begleitet wird. Das ist gut und wichtig. Seit 40 Jahren arbeitet Bio Suisse an umfassenden Lösungen und guten Produkten. Wir brauchen Ihren Ansporn und Ihre Unterstützung. Wir verstehen, dass die Aussagen von Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, Unverständnis und Unmut auslösen konnten.

      Sieben Minuten Kreuzverhör reichen leider nicht aus, um angemessen und fair auf die TWI einzugehen. Gerne möchten wir ausführlich erklären, wieso wir die Anliegen beider Pestizid-Initiativen differenziert betrachten – und sie keineswegs auf den Preis reduzieren.

      Bio Suisse nimmt die Pestizidfrage sehr ernst. Im letzten November haben die Delegierten von Bio Suisse die Ja-Parole zur Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» gefasst, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt. Sie verbietet die problematischen Stoffe im Inland und auch bei den Importen. Sie nimmt auch die Konsument*innen und die nicht-landwirtschaftlichen Anwender*innen der Problemstoffe in Pflicht. Das halten wir für den richtigen Weg.

      Bio ist auch eine gute Lösung für die Probleme, die durch die Trinkwasserinitiative angesprochen sind. Bio verzichtet auf Kunstdünger und Pestizide und verwendet überwiegend Futter aus der eigenen Region. Weil immer der ganze Betrieb auf Bio umgestellt wird, entsteht umfassende Nachhaltigkeit: wirtschaftlich lebensfähige Betriebe, zufriedene Bäuerinnen und Bauern, geschlossene Kreisläufe, lebendige Böden und ein gutes Klima.

      Die Biobäuerinnen und -bauern werden die Trinkwasserinitiative an ihrer Delegiertenversammlung vom 14. April diskutieren und die Parole dazu fassen.

      Sie werden dabei neben den guten Absichten der Trinkwasserinitiative auch die vorgeschlagenen Massnahmen eingehend diskutieren. Einige werden kritisiert:
      • Die Initiative richtet sich ausschliesslich an die Produktion. Die Konsument*innen und der Handel werden nicht in die Pflicht genommen.
      • Belastungen könnten ins Ausland verlagert werden, weil die Initiative keine Vorschriften für Importe macht.
      • Wer auf Direktzahlungen verzichtet, kann auch bei Annahme der Initiative alle Mittel im Rahmen der Gesetze einsetzen und noch intensiver produzieren.
      • Die Initiative will einen «Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann». Dies schränkt viele Betriebe sehr stark ein. Sie kaufen heute Bio-Futter aus ihrer Region zu und bezweifeln zu Recht, dass das zukünftig noch möglich sein wird.
      • Es geht dabei nicht einfach um ein Importverbot wie vom «Kassensturz» behauptet.

      Die Diskussion der Delegierten wird sehr seriös geführt und ist öffentlich. Gerne können Sie die entsprechenden Unterlagen auf unserer Homepage einsehen:
      • Spezial-Webseite für die Initiativen: https://bio-suisse-themen.ch
      • Blogbeitrag mit Urs Brändli und Interview zu Initiativen: https://blog.bio-suisse.ch/2020/11/jeder-einkauf-ist-ein-stimmzettel-bio.html • Argumentarium: https://www.bio-suisse-themen.ch/argumentarium/
      • Unterlagen der Delegiertenversammlung: https://www.bio-suisse.ch/de/verband/delegiertenversammlung.php
      Wir danken Ihnen für Ihr Mitdenken und Ihr Verständnis

      Mit freundlichen Grüssen
      Ihr Bio Suisse

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